Selbstbetrug

Selbstbetrug

 

(Das hier ist ein Brief. Aussprechen wird er nichts. Aber offen lässt er auch nichts mehr.  Er dient der Erleichterung und Aufklärung. Nicht mehr und nicht weniger. Danke für’s Lesen.)

 

Wer ist ehrlich heutzutage? Offenheit und Ehrlichkeit. Ständig werden diese Worte benutzt. „Er sollte offen und ehrlich sein!“ „Wir suchen offene Praktikantin zur Unterstützung unseres Teams. Mit ehrlicher Bezahlung!“ Haha... Ja... auch aus meinem Mund kommen doch ständig diese Worte! „HEY, immer bin ich offen und ehrlich gewesen zu ihm! Und jetzt das!“ Dass ich vor ihm mit 5 Männern mehr geschlafen hab, als er dachte, ist doch nicht so wichtig. Und dass ich nicht sonderlich darauf stehe wenn er mal wieder seine ganz besondere Akrobatik zum Besten gibt, ist auch nicht zwingend bemerkenswert, oder? Na ja... Nicht wenn man sich genügend selbst betrügt. Ja, der Selbstbetrug. Zu ihm gehören tausende Dinge. Fettarme Butter, „Nur die Liebe zählt“ mit Kai Pflaume, sowie Affären ohne Gefühle. Ups?? Hab ich das grad laut gesagt? Nein, zum Glück nicht. Aber geschrieben, ja, geschrieben hab ich es. Okay. Tief durchatmen. Ich hatte schon so die ein oder andere Affäre. Ja, vielleicht auch mehr als der eine letzte dachte. Und vor allem nach ihm dacht ich mir: Jetzt gibt’s keine fettreduzierten Nahrungsmittel mehr, von billigen Liebesshows im Fernsehen hatte ich auch genug. Schluss mit dem ganzen Theater, ich wollte nur noch Freiheit. Und zwar so viel wie möglich. Den einen traf ich hier, den anderen dort, die meisten kannte noch nicht, und einen schon sehr lang. Nie gedacht hätte ich, dass dies jemals passieren würde. Ich habe nie darüber nachgedacht wie es wäre mit ihm. Nie?

Haha, ja, und als ich mir dies immer wieder sagte und dachte, hatte ich mich schon das erste Mal selbst betrogen. Als ich ihn das erste Mal sah, fiel mir seine geheimnisvolle Ausstrahlung auf. Die großen Augen, die mehr erzählen können als sein Mund. Und dass er irgendwie verrückt war. Und ja, das mochte ich. Das fand ich interessant.

Unsere Umstände jedoch verboten mir diese Empfindung auszubauen und das war in Ordnung. Er bekam zwei meiner gescheiterten Geschichten mit, sah mich heulen, lachen, fluchen, torkeln, vor allem lallen, schlafen, essen, duschen (nunja, wenigstens hörte er es) und noch mehr. Wir rauchten, tranken, lachten und weinten gemeinsam. Ich hab ihn während der Zeit gemocht, veralbert, geärgert, vermisst, gehasst, beschimpft, ausgelacht und verflucht. Verletzen konnte er mich schon immer. Aber von dieser Ebene gelangten wir nie auf eine andere. Warum auch? Verdrängt hatte ich mein anfängliches Interesse an anderen Sphären zwischen uns sehr erfolgreich. Bis zu jenem Abend. Ich war eigentlich unmotiviert an der Veranstaltung teilzunehmen. Wir verstanden uns zu der Zeit nicht sonderlich. Und klar war, dass auch der eine von den anderen dort sein würde. Vermutlich wieder mit Irgendeiner. Uns verband grandioser Sex. Mehr nicht. Dennoch hatte ich keine Lust. Aber es war sein Geburtstag. Nun ja. Aber ich engagierte ein Treffen mit einer Freundin um zu spät zu kommen. Doch es war noch niemand dort. Letztendlich war es lustig, ich amüsiere mich. Und wurde immer betrunkener. Er auch. Und plötzlich brannte es. Nein. es glühte, als wir dort standen. Uns was erzählten. Endlich wieder was erzählten.

Und es war anders. Danach betrug ich mich zum zweiten Mal, indem ich vorgab, alles sei seiner Initiative gefolgt. Doch auch ich spürte dieses seltsame Etwas. Es blieb bestehen bis zu dem Abend an dem wir Wein tranken und redeten. Endlich. Nicht umsonst hatte ich den Abend geplant. Eigentlich. Geahnt hat er das nicht. Vermute ich. Geplant war von mir aus auch nicht das was passierte. Nur wusste ich, dass es anders werden würde als sonst. Wie gesagt, wir redeten viel. Uns viel von der Seele runter. Was gut war. Und dann kündigte er sich wieder an. Typisch für ihn.

 

Das dritte Mal

Warum redet er so viel? Handelt nicht einfach... Ich betrog mich zum dritten Mal, in dem ich vorgab, dass es NIEMALS passieren könne. Und würde. Niemals. Die Anziehung blieb. Doch ich kämpfte und wehrte mich dagegen. Bis zum nächsten Abend. Es geschah. War gut. Aufregend. Nicht gut. Nein, hervorragend.

Wirklich toll. Und danach kam Betrug Nummer vier. Nur Sex ist das. Mehr nicht. Ja. Zwei Wochen später ging ich. Musste gehen. Da war er nicht mehr nebenan. Das tat weh. Doch wie gesagt, beachtet hab ich das nicht.

Und es war auszuhalten, denn danach kam Betrug Nummer fünf. Denn ich dachte, dass er mich anders behandelt als manche andere. Leider nicht. Er schlug voll zu. Wollte ihm doch das sagen, was mir auf der Seele lag. Unmöglich. Ich kannte ihn so. Genauso. Warum dachte ich, ich sei etwas besonderes? Wie dumm von mir... Es folgten drei Wochen Hölle und langsam wurde ich offener. Und ehrlicher. Zu mir selbst. Mir wurde einiges klar.

Doch dann kam Nummer sechs. Und Verdrängung. Die gipfelte im Gespräch, was wir dann endlich, nach gefühlten Ewigkeiten, führten. Ich bildete mir ein, alles gesagt zu haben. Heuchelte, alles sei geklärt. Wir seien wieder einfach Freunde. Redete sogar noch über sie mit ihm. Sie, die so große Rollen spielen in seinem Leben. Ging strahlend heim. Wachte weinend auf. Nein. Wieder war ich es nicht. Nicht offen. Und nicht ehrlich. Doch wer ist das heutzutage noch? Und ist er es denn?

 

Jetzt bin ich es...

 

11.5.09 20:27, kommentieren

Klar

Klar

 

Unergründlich, auch wenn eigentlich so klar, trittst du mir immer und immer wieder entgegen. Wieder einen kleinen Schritt taste ich mich heran, fühle mich ja grad so sicher, scheine den Weg schemenhaft nun endlich erahnen zu können, der mir heut Nacht doch noch so klar erschien. Wieder das Schreien im Kopf, stumme Hilfeschreie, nur einen Tipp, einen kleinen nur, doch nur dieses verspielte, wissende Lächeln, nein, wieder nur Interpretationen ohne Sicherheit, eben einfach dein Lächeln, welches du mir zeigst. Glaubst du ich kann danach greifen? Nun doch der Schritt, feige war ich nie, tausendmal durchspielt. Ihn nun endlich wagen, diesen einen von vielen, die mich nicht weiterbrachten. Ich wage ihn, und da, als ich ihn schon tu, spüre ich, ich habe was ich wollte, nun endlich. Es erfüllt sich mit dem Schritt mein größter Wunsch. Nun kann ich sehen, meine Augen sind geöffnet, nun durchschaue ich. Unendliche Freude, Erleichterung, Tränen des Glücks zerreißen mich in tausend Stücke, bleiben sie doch unerbittlich und gnadenlos aus. Oh ja, der Schritt zurück, so nah liegt er doch, doch bin ich wie gefesselt. Da sehe ich es, das Lächeln, keine Versuche der Deutung mehr, keine Spekulation und kein falscher Optimismus mehr, nur Klarheit, die Transparenz die ich suchte, als Eigenschaft eines gleißenden Sonnestrahls im Spalt einer sich öffnenden Tür. Ja, es ist soweit, nun endlich springt sie tatsächlich auf, und mit einem Knall wieder zu zum Abschied. Denn nichts mehr ist verborgen, die Magie einmal mehr zerstört. 

11.5.09 20:45, kommentieren

Vom Alltag

Vom Alltag

 

Du strahlst, die Energie spüre ich förmlich durch jede Pore in mich hinein strömen, mit deiner unendlichen Kraft dringst du in das kleine Etwas hinein, welches sich meine Seele schimpft. Wo hast du gesteckt, so lang verborgen geblieben vor mir, sodass ich dich schon fast vergaß.. Das Spiel der Schatten, wie sie ständig alles bewegen, was sonst nur trist und unveränderlich ist. Plötzlich scheint überall Leben zu sein, ich kann es sehen und spüren und riechen. Umgeben von allen Farben dieser Welt genieße ich den Moment, schwebe empor und lasse mich schwerelos wieder fallen wie ein Blatt vom Wind ergriffen und ihm unendlich hingegeben. Perfekt in dieses Bild passt der nicht vorhandene Aufprall. Doch mit unendlich großer Kraft bleibt er doch nicht aus. Aus der Schwerelosigkeit zurück, noch benommen von der Schönheit und der Macht des eben so intensiv durchlebten Moments, spüre ich den Boden wieder, schmerzhaft. Es ist der Haken den ich in meinem Hang zum Masochismus krampfhaft suche, der mir jetzt seine düstere Grimasse zeigt, grausam kontrastierend zum grellen Strahlen welches mich zuvor durchdrang. Kein fröhliches Spiel der Schatten mehr, sondern düster getarnt als Mensch tritt er hervor, der Haken, der sich Realität oder auch Alltag nennt. Auch ihn hatte ich völlig verdrängt; desto lauter schallt sein Gelächter, desto kälter legt er sich über mich und lässt kaum noch Spalt für das Licht.

 

Soviel Freude, Liebe, Sonne und Wärme und doch nur ein Mensch. Ein Mensch mit einem Anderen. Mit jedem Tag einen Schritt aus ihrer kleinen in die große Welt. So ists und wars schon immer und ändern wird es sich nie. 

 

 

 

 

 

 

 

11.5.09 20:44, kommentieren